Friseur

Waschen, schneiden, beten: Mein evangelistischer Friseurbesuch

Anja geht nicht gerne zum Friseur. Meistens kommt sie danach genervt nach Hause, da sie den Smalltalk beim Haare schneiden so gar nicht leiden kann. Doch beim letzten Mal entwickelte sich der Smalltalk ganz anders und sie konnte völlig unterwartet von ihrem Glauben erzählen. Und mit der Friseurin beten.

Es war ein sonniger Samstagnachmittag, als ich mich auf den Weg zum Friseur machte. Der kleine Salon in unserer Nachbarschaft war gut besucht, und es herrschte eine ganz schöne Hektik. Nachdem ich eine Weile gewartet hatte, rief mich die Friseurin zu sich. Ich setzte mich auf den Friseurstuhl und sie begann mit der üblichen Frage nach meinen Wünschen für den Haarschnitt.

Während sie mein Haar schnitt, kamen wir miteinander ins Gespräch. Wir sprachen über verschiedene Themen: das Wetter, die letzten Neuigkeiten und den Alltag. Ich bin eigentlich kein Freund von Smalltalk und finde Friseurbesuche deshalb auch meistens eher anstrengend als entspannend. Schließlich fragte sie mich aber, was ich beruflich mache und ich erzählte ihr, dass ich in einer Kirchengemeinde arbeite und mich dort im Kindergottesdienst und in der Seelsorge engagiere. Das schien ihre Neugier zu wecken.

"Das klingt interessant", sagte sie. "Was genau machst du dort?"

Ich erklärte ihr so gut es geht, was ich in unserer Kirchengemeinde mache. Ich erzählte ihr von unseren Kindergottesdiensten, die während der Gottesdienste für Erwachsene stattfinden. Ich erzählte ihr von den Geschichten, die wir erzählen und den lustigen Bewegungsliedern über Gott, die wir mit den Kindern singen und mit welcher Freude die Kinder dabei sind. Die Friseurin war ganz erstaunt, denn als Kind war sie auch manchmal mit ihrer Oma im Gottedienst gewesen und die waren ihr immer furchtbar langweilig und freudlos vorgekommen.

Ich merkte, wie interessiert die Friseurin war. Das ermutigte mich, auch über meine Arbeit als Seelsorgerin in unserer Gemeinde zu erzählen. Ich erzählte ihr davon, dass Menschen zu mir kommen, wenn sie in einer schwierigen Lebensphase sind, wir darüber sprechen und vor allem dafür beten. "Und hilft das denn? Das beten?", fragte die Friseurin mich unverblümt. Ich war so überrascht von der Direktheit. Aber gleichzeitig auch so begeistert, wie aufgeschlossen sie gegenüber dem Thema Gott und Gebet war.

Ich erzählte ihr von meinen Erfahrungen beim Beten. Von den Wundern, die ich erleben durfte. Wie Menschen neuen Mut und neue Hoffnung erfahren haben. Und wie sich ganz konkret Situationen verändert haben, nachdem ich gebetet hatte. Aber ich erzählte ihr auch von den nicht erhörten Gebeten. Von der chronischen Krankheit meines Mannes, die trotz zahlreicher Gebete nicht besser wird. Und wie schwierig ich das manchmal finde. Da hielt die Friseurin inne und hakte nach: "Und trotzdem glaubst du weiter an Gott? Auch wenn du selbst so viel Leid erlebst?"

Diese direkte Frage forderte mich ganz schön heraus. Und für einen Moment hatte ich das Gefühl, dass ich ihr keine gute Antwort geben könnte. Doch ich merkte auch einen inneren Frieden. Ich spürte, wie der heilige Geist mir zuflüsterte: Erzähl einfach von mir. Ich bin, der ich bin. Und so erzählte ich ihr von meinem Glauben an Gott, was mir das Evangelium bedeutet und dass mich die Hoffnung auf ein ewiges Leben mit Jesus auch in diesem Leben trägt und stärkt. Auch wenn ich Leid und Schmerz erdulden muss.

Die Friseurin nickte langsam. "Das klingt wirklich tiefgreifend. Aber was, wenn jemand nicht an Gott glaubt? Gibt es dann auch Hoffnung für ihn?"

"Absolut", sagte ich. "Gott liebt jeden Menschen, unabhängig von seinem Glauben. Er lädt jeden ein, diese Liebe zu entdecken. Gott begegnet uns oft auf unerwartete Weise, durch Begegnungen, Gespräche oder Ereignisse im Leben. Jeder hat die Möglichkeit, diese Liebe zu erfahren."

Sie schien nachdenklich zu sein, stellte noch einige Fragen und erzählte mir aus ihrem Leben, während sie weiter schnitt. Das Gespräch war tief und ehrlich, und ich spürte, dass es etwas in ihr bewegte. Und auch ich war bewegt. Ich war so ergriffen von der unterwarteten Möglichkeit, das Evangelium zu verkünden. Am Ende fragte ich sie, ob ich noch für sie beten dürfte. Sie war ein bisschen überrascht, aber sagte ja. Und so betete ich auf dem Friseurstuhl mit frisch geschnittenen Haaren für meine Friseurin.

Auf dem Heimweg dachte ich darüber nach, wie Gott uns manchmal auf ganz alltägliche Weise nutzt, um seine Botschaft zu verbreiten. Ein einfacher Friseurbesuch - auf den ich eigentlich gar keine Lust hatte -  war zu einer tiefen Begegnung geworden, und ich betete dafür, dass die Samen, die gesät worden waren, in ihr weiterwachsen würden.

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